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Einleitungsbericht

Kreisdienststelle Rostock
Referat III

  Rostock, 7. 5. 1984


E i n l e i t u n g s b e r i c h t
zur OPK "Baum", Reg.-Nr.            


Zur Person:

Name, Vorname:         Bohmann, Christoph
geb. am/in:            04 08 61 4 0512 3 /
Tätigkeit:             Pfleger
Arbeitsstelle:         Michaelshof Rostock
Familienstand:         ledig
Staatsangeh.:          DDR
wohnhaft:              HW: Lockenwalde, Brandenburger Str. 36
                       NW: Rostock, Fährstraße 25
erfaßt:                KD Rostock (SV)

Der B. wurde als Sohn des technischen Leiters
                       Bohmann ,Wolfgang
                      17 08 36 4 0511 9

und der Apothekenhelferin (zur Zeit Hausfrau)
                      Bohmann ,Ehrengard, geb. Kalkbrenner
                      28 04 37 5 0512 8
geboren. Beide Elternteile wohnen in 1710 Luckenwalde, Brandenburger Str. 36
XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

B. erlernte den Beruf eines Facharbeiters für Holztechnik. Er abeitete nach Abschluß der Lehre bis Ende Juni 1981 als Facharbeiter im VEB MMW Trebbin. Bis Ende Juli 1981 nahm B. seinen Jahresurlaub, kündigte jedoch vor Ablauf des Urlaubs sein Arbeitsrechtsverhältnis mit dem VEB MMW. Bis zur Aufnahme seines "diakonischen Jah- res" Anfang September 1981 war B. ohne Arbeitsverhältnis. Nach Abschluß des "diakonischen Jahres" nahm B. eine Tätigkeit als Pfleger in der evangelischen Pflegeeinrichtung der Mecklenburgischen Landeskriche für geistig Behinderte, Michaelshof, in Rostock auf.

Zur Sache:

Durch eine Annonce in der Zeitung "Der Demokrat" vom 11. 1.84 wurde bekannt, daß in der Zeit vom 24. bis 26. 2 84. ein "Winterseminar zu Fragen des Umweltschutzes und Umweltgestaltung" statt finden soll. Unterzeichner dieser Annonce bzw. als Kontaktperson wurde B. angegeben.

Durch operative und operativ-technische Maßnahmen konnte herausgearbeitet werden, daß B. der Initiator des "Winterseminars" ist. Er fungierte auch gleichzeitig als Leiter der "Vorbereitungsgruppe" dieses "Winterseminars".

An dem "Winterseminar" nahmen ca. 50 Personen im Alter von ca. 16 bis 30 Jahre teil.
Das "Winterseminar" wurde am 24. 2. 84 um 17.00 Uhr durch Pastor MALTZAHN in der Johanniskirche eröffnet. Der M. gab bekannt, daß es von staatlicher Seite Bedenken gegen die Durchführung dieses "Winterseminars" gibt und sprach sich dafür aus, daß diese Bedenken nicht in Erfüllung gehen sollten.

Das "Winterseminar" wurde dann auch so durchgeführt, daß es zu keinen Aktionen gegen die Interessen der DDR kam. Das Referat des

                            C C C C C C C C C C,Hans-Joachim
                            22 10 56 4 044 1
                            XXXXXXXXXXXXXXXXXXX
                            tätig als Pflege im Michaelshof in Rostock
                            wh.: Rostock, Fährstr. 25

zu Thema "Kernkraft - Nein, danke" hatte zum Inhalt, daß die Nutzung der Kernkraft für die DDR die einzige und umweltfreundlichste Möglichkeit ist, um Energie zu gewinnen. Die Nutzung der Atomenergie für militärische Zwecke wurde abgelehnt. Durch die IMS "Toni" und "Norbert" der KD Rostock wurde eingeschätzt, daß sich das Referat und auch die anschließend durchgeführte Diskussion nicht gegen die Interessen der DDR richteten oder diese offen angriffen.

Aus dem Ablauf des "Winterseminars" kann geschlußfolgert werden, daß sich die kirchliche Umweltschutzbewegung außerhalb des staatlichen Bereiches des Umweltschutzes etablieren möchte. Die Absicht des B., eine unabhängige Umweltschutzbewegung zu schaffen, zeigt auch die geführte Aussprache des Bezirkssekretärs für Natur und Umwelt im Bezirkssekretariat des Kulturbundes mit B. am 6. 2.84. B. stellte sich dort als Verbindungsmann zwischen Kirche und Staat vor. Er brachte zum Ausdruck, daß B. und die von ihm geleitete Gruppe Jugendlicher gerne mit dem Jugendaktiv der staatlichen Gesellschaft für Natur und Umwelt (GNU) zusammenarbeiten möchte. Dem B. wurde daraufhin erklärt daß es eine Zusammenarbeit zwischen Fachgruppen der GNU und außerhalb der GNU formierte Gruppen nicht geben wird.

B. und auch die Jugendlichen seiner Gruppe könnten, wie jeder andere Bürger der DDR, der unsere natürliche und gebaute Umwelt schützen, pflegen und erhalten will, eine Wirkungsmöglichkeit in der GNU finden. B. lehnte dieses ab und entgegnete, daß eine Mitgliedschaft für ihn und seine Gruppe in der GNU nicht in Frage kommen würde. Aus der Kontaktaufnahme des B. zum Kulturbund der DDR kann geschlußfolgert werden, daß dieser kirchlichen Gruppe das Hinterland für eine aktive Arbeit fehlt und sie deshalb in die GNU eindringen will, um die GNU für sich zu nutzen.

B. würde durch die Zusammenarbeit mit der GNU eine größere Öffentlichkeitswirksamkeit erreichen. Er könnte alle Veranstaltungen des außerstaatlichen Umweltschutzes als Veranstaltung des Kulturbundes bezeichnen und somit offen für seine Umweltschutzbewegung werben.

Politisch-operative und rechtliche Wertung

Bei den B. handelt es sich um eine operativ bedeutsame Person aus dem Bereich der kirchlichen Einrichtung Michaelshof. B. ver weigerte 1980 den Dienst mit der Waffe aus religiösem Gründen.

Er ist seit 1981 aktiv in der "Jungen Gemeinde" tätig und ist bestrebt, ständig neue Mitglieder für die Arbeit der "Jungen Gemeinde" zu gewinnen. Die Ablehnung des B. in einer Fachgruppe der GNU mitzuarbeiten zeigt, daß er die Kontrolle durch den Kulturbund scheut, und er befürchtet Einschränkungen seiner Arbeit im nichtstaat- lichen Umweltschutz. Es zeigte sich auch, daß er an einer echten Zusammenarbeit mit der GNU nicht interessiert ist. Die Veranstaltungen der Gruppe des B. findet in kirchlichen Einrichtungen statt und unterliegen somit dem Einfluß der Kirche.

Operativ bedeutsam ist, daß es sich bei dieser Umweltaktion um eine staatlich unabhängige Umweltgruppe handelt, zu der vorwiegend kirchlich gebundene Personen gehören und die Freiraume der Kirche für ihre "Umweltaktion" nutzt. Es liegen bisher keine Informationen vor, daß die Gruppe um B. ihre Arbeit gegen die Politik der DDR richtet bzw. Aktionen gegen die staatliche Ordnung und Sicherheit plant.

Da es sich jedoch um eine kirchlich gebundene Umweltschutzbewegung handelt und sie sich außerhalb des staatlichen Umweltschutzes etabliert, ist die Gruppe um B. als operativ bedeutsam einzuschätzen. Es ist wahrscheinlich, daß wenn sich die Gruppe etablieren kann, sie auch mit größeren Aktionen in Erscheinung tritt.

B. ist der Leiter dieser Gruppe des kirchlichen Umweltschutzes, der den wesentlichen Einfluß ausübt und den Inhalt und die Richtung der zuerwartenden Aktionen bestimmt. Durch die operative Bearbeitung soll verhindert werden, daß sich unter der Aktion des "Umweltschutzes" feindlich-negative Kräfte sammeln und in Ar beitsgruppen des durch den Kulturbund geleiteten Umweltschutzes eindringen.

Zur vorbeugenden Verhinderung, Aufdeckung und Bekämpfung feindlich-negativer Erscheinungen dieser Gruppe macht sich die Einleitung einer OPK gegen B. operativ erforderlich.

Zielstellung:

  • Rechtzeitiges Erkennen der wahren Motive, Pläne und Absichten der kirchlichen Umweltschutzbewegung.
  • Vorbeugende Verhinderung von Aktionen, die sich gegen staatliche Interessen richten könnten und Verhinderung des Eindringens negativer Kräfte in den staatlichen Umweltschutz.
  • Aufklärung der Mitglieder der kirchlichen Umweltschutzbewegung sowie Herausarbeitung ihrer Motive für diese Mitarbeit.
Referatsleiter

Unterschrift
                                      Unterschrift
Dorow                                            Rohde
Major                                            Unterleutnant


Leiter der Kreisdienststelle


Becker
Oberstleutnant