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Vorschlag zu Kontaktaufnahme

Kreisdienststelle Rostock
Referat III
Rostock, 19. 3. 1985



 

bestätigt
Stellvertreter Operativ
Unterschrift                             1/5.85

Amthor                 (Stellungn. d Abt.XX/4
Oberst                   vom 18.4. beachten)

 


V o r s c h l a g
zur Kontaktaufnahme zu der in der OPK "Baum",
Reg.-Nr. I/893/84, bearbeiteten Person       


Zur Person:

Name, Vorname         Bohmann, Christoph

geb. am/in            04 08 61 4 0512 3 /Luckenwalde
Beruf                 Facharbeiter für Holztechnik
Tätigkeit             Hilfspfleger
Arbeitsstelle:        Evangelische Pflege-, Förder- und
                      Rehabilitationseinrichtung Mic
haelshof
                      Rostock
Familienstand         ledig
Religion              evangelisch
pol. org.              nein
wohnhaft              HW: Lockenwalde, Brandenburger Str. 36
                      NW: Rostock, Fährstraße 25

Am 7. 5. 1984 wurde gegen B. eine OPK eingeleitet. Bei dem B. handelt
es sich um den Organisator einer staatlich unabhängigen Umweltschutz-
bewegung aus dem Bereich der Evangelisch- Lutherischen Landeskirche
Mecklenburg (MLK) in Rostock. Durch B. wurden in der Vergangenheit
Baumpflanz- und Pflegeaktionen, verbunden mit seminaristischen Ver-
anstaltungen zu Fragen des Umweltschutzes, vorbereitet und geleitet.
Bei überregionalen Treffen kirchlicher Umweltgruppen, trat B. als Ver-
treter des "Rostocker Umweltschutzkreises" auf.
Durch die Einleitung zielgerichteter Zersetzungsmaßnahmen in Zu-
sammenarbeit mit der Abt. XX der BV Rostock und den Partnern des
politisch operativen Zusammenwirkens wurde die Herausbildung einer
festen Struktur im "Rostocker Umweltschutzkreis" und eine kontinu-
ierliche Arbeitsweise verhindert.


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Die letzte Baumpflanz- und Pflegeaktion unter Leitung von B.
fand im Oktober 1984 in Rostock statt.
Die bisher durchgeführten Baumpflanz- und Pflegeaktionen sowie
seminaristischen Veranstaltungen zu Umweltschutzfragen beinhal-
teten keine Angriffe gegen die staatliche Ordnung und Sicherheit
der DDR.

Zum Persönlichkeitsbild

B. wurde als Sohn des Direktor für Technik der Märkischen Möbel-
werke Trebbin, Bohmann, Wolfgang (erfaßt für KD Lucken-
walde) und der Apothekenfacharbeiterin, Bohmann, Ehrengard,
geb. Kalkbrenner, geboren. Seine Eltern sind in Luckenwalde,
Brandenburgerstr. 36 wohnhaft.

Von 1968 bis 1978 besuchte B. die "G. Dimitroff"-Oberschule in
Luckenwalde. Die 10. Klasse absolvierte er mit dem Gesamtprädikat
"gut".
Von 1978 bis 1980 erlernte B. im VEB
Märkische Möbelwerke Trebbin
den Beruf eines Facharbeiters für Holztechnik. Mit Beginn der Lehre
wurde B. Mitglied des FDGB, der GST und der DSF. Die Facharbeiter-
prüfung schloß B mit dem Prädikat "gut" ab. Mit Beendigung seiner
Lehre trat B. wieder aus o. g. Organisationen aus.
Bis zur Aufnahme seiner Tätigkeit in der  Evangelische Pflege-,
Förder- und Rehabilitationseinrichtung Michaelshof im September
1981 arbeitete B. in seinem Beruf.

Auf dem Michaelshof arbeitet er als Hilfspfleger in der Gruppe 12.
In seinem Auftreten und Verhalten sowie im Umgang mit den Pfleg-
lingen ist er freundlich, selbstbewußt, aufgeschlossen und kontakt-
freudig. Zu seinem unmittelbaren Umgangskreis gehören vorwiegend
Mitarbeiter des Michaelshofes sowie Mitglieder verschiedener
"Junger Gemeinden" aus Rostock. In dem Zeitraum von Januar 1985
bis Mitte 1986 qualifiziert sich B. an der Betriebsakademie des
Gesundheitswesens Rostock zum Facharbeiter für Krankenpflege.

Seit 1982 entwickelt B. Aktivitäten zur Herausbildung einer Um-
weltschutzgruppe, zu der vorwiegend kirchlich gebundene Personen
gehören. Nach anfänglichen Vorstellungen über die Durchführung
von monatlichen Aktivitäten beschränken sich die Handlungen des
"Rostocker Umweltschutzkreises" auf unregelmäßig, in größeren
Zeitabständen stattfindenen Baumpflanz- und Pflegeaktionen.
Bisher wurden 5 Baumpflanzaktionen durchgeführt.

Inoffiziell wurde erarbeitet, daß sich B. von oppositionellen
"Friedenskreisen" der MLK distanziert. "Seine ideologische Basis
ist der biblische Schöpfungsbericht. Die Schöpfung, die bedroht
ist, will der "Rostocker Umweltschutzkreis" unter seiner Leitung
erhalten helfen."


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Nach eigenen Aussagen lehnt B. bestimmte Aktionen der Berliner
und Rostocker ESG sowie von Lietz, Heiko ab.

B. spricht sich positiv über die Zusammenarbeit mit staatlichen
Einrichtungen vorrangig VEB Gartengestaltung Rostock aus.
Durch feindlich-negative Kräfte aus anderen "Umweltschutzkreisen"
der DDR wird die inkonsequente Haltung des B. gegenüber staatlichen
Organen und Einrichtungen kritisiert. Nach ihren Auffassungen muß
der "Rostocker Umweltschutzkreis" fordernder gegenüber staatlichen
Institutionen auftreten und die Veranstaltungen zu Umweltproblemen
offener gestalten.

Ende 1984 kündigte B. den abgeschlossenen Pflegevertrag - Grundstück
Rostock-Lichtenhagen, Höhe S-Bahnhaltepunkt an der F 103 - mit dem
VEB Gartengestaltung Rostock auf. Zur Begründung führte er an, daß
gegenwärtig innerhalb des "Rostocker Umweltschutzkreises" eine starke
Fluktuation zu verzeichnen ist und das Interesse der Jugendlichen
an solchen Arbeiten nachgelassen hat. Inoffiziell wurde jedoch er-
arbeitet, daß sich B. weiterhin mit dieser Problematik beschäftigt
und u. a. Versuche unternimmt, um Informationsmaterial zu Umwelt-
fragen aus der BRD zu erlangen.

Die politische Grundposition wird als loyal eingeschätzt.
In den Gesprächen mit Vertretern staatlicher Organe und Einrichtungen
tritt er sachlich auf. Es kam bisher zu keinen provokatorischen
Verhaltensweisen bzw. feindlich-negativen Angriffen.
Aus politisch-operativer Sicht bietet B. mehrere operativ günstige
Ansatzpunkte, um ihn für eine inoffizielle Zusammenarbeit zu ge-
winnen Dabei ist von besonderer Bedeutung, daß durch feindlich-
negative Kräfte der MLK Pläne und Absichten bestehen, die Probleme
des Umweltschutzes in ihre antisozialistischen Aktivitäten einzu-

beziehen bzw. unabhängige Umweltschutzgruppen aufzubauen. Die Ver-
suche dieser feindlich-negativen Kräfte sowie die auf der Tagung
von Vertretern kirchlicher Umweltgruppen der DDR im Bezirk Halle
verfolgte Zielstellung, im DDR-Maßstab eine kirchliche Umweltschutz-
bewegung zu schaffen, lassen eine Zunahme derartiger Aktivitäten
im Jahr 1985 erwarten.
Aufgrund seiner Tätigkeit als Organisator des "Rostocker Umwelt-
schutzkreises", seiner Persönlichkeitsmerkmale sowie seiner umfang-
reichen regionalen und überregionalen Kontakte und Verbindungen
wird vorgeschlagen, eine inoffizielle Nutzung des "Baum" zu prüfen
mit dem Ziel, eine inoffizielle Position in Kreisen kirchlicher
Umweltschutzgruppen zu schaffen.

Gesprächslegende zur Kontaktaufnahme

Es ist vorgesehen, den B. in der Woche vom 1. 4. - 5. 4. 85 durch
den Referenten für Kirchenfragen beim Rat der Stadt Rostock zu
einer Aussprache zu bestellen. Diese Aussprache wird nach Eröff-
nung durch den Referenten vom Gen. Oltn. Dietrich durchgeführt.


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Eine konkrete Vorstellung des Gen. Oltn Dietrich erfolgt vorerst
nur mit dem Namen "Hildebrand". Bei positivem Verlauf des GE
spräches wird entschieden, ob sich der Mitarbeiter als Angehöriger des
MfS offenbart.
Zum Anliegen des Gesprächs wird dem B. erklärt, daß es um Fragen
des Umweltschutzes, insbesondere der Weiterführung der Pflegearbei-
ten auf dem Grundstück Rostock-Lichtenhagen geht. Dabei wird zum
Ausdruck gebracht, daß man mit Bedauern davon Kenntnis erhalten
hat, daß durch B. der Pflegevertrag für 1985 aufgekündigt wurde.
Ausgehend von dem staatlichen Interesse zur Hege und Pflege der
Umwelt sowie der bisherigen Aktivitäten durch B. wird er aufge-
fordert, sich dazu zu äußern. Zum einen soll B. damit veranlaßt
werden, seine weiteren Pläne und Absichten zu offenbaren und zum
anderen eine Gesprächsgrundlage für weitere Aussprachen geschaffen
werde. Entsprechend des Gesprächsverlaufes und der Bereitwillig-
keit von B. zu gemeinsam interessierenden Fragen Auskunft zu geben,
wird entschieden, ob das Gespräch fortgesetzt und ein neuer Termin
vereinbart wird. Sollte sich B. unzugänglich zeigen, wird ihm gegen-
über zum Ausdruck gebracht, daß die staatlichen Organe seine
Aktivitäten genau verfolgen werden. Abschließend wird er belehrt,
sich an die geltenden Gesetze der DDR zu halten und insbesondere
das Verhältnis Staat - Kirche nicht zu belasten.

Bei erfolgreichem Verlauf des Gesprächs wird mit B. ein neuer GE
sprächstermin in 10 - 14 Tagen im Rathaus vereinbart. Dabei wird
u. a. davon ausgegangen, daß der B. an Informationsmaterial zur
Umweltproblematik interessiert ist. Durch den Mitarbeiter erhält
er hierzu unverbindliche Zusicherung, daß er sich nach Möglich-
keiten der Materialbeschaffung erkundigen wird.
Im Gespräch ist außerdem vorgesehen, bestimmte Fragen der interna-
tionalen Situation und einer weiteren persönlichen Entwicklung anzu-
sprechen. Damit soll bei B. vorrangig der Eindruck des vertraulichen
Charakter des Gesprächs erzeugt werden.

Referatsleiter

Unterschrift
                                      Unterschrift
Dorow                                            Dietrich
Major                                            Oberleutnant


Leiter der Kreisdienststelle

i.V. Unterschrift
Becker
Oberstleutnant