HomeSitemapImpressum
  CargoLifter OPK-Baum Schulzeit E-Fete Grafik Familie
 

Zwischeneinschätzung

Kreisdienststelle Rostock
Referat III

Rostock, 9. 11. 1984


Z w i s c h e n e i n s c h ä t z u n g
zur OPK "Baum", Reg.-Nr. I/893/84      


Die OPK "Baum" wurde am 7. 5. 1984 gegen die Person

Bohmann,                                 Christoph
04 08 61 4 0512 3 in Luckenwalde
Pfleger, Ev. Pflege-, Förder- und Rehabilitationseinrichtung
Michaelshof Rostock
HW: Lockenwalde, Brandenburger Str. 36
NW: Rostock, Fährstraße 25

eingeleitet.
Die operative Bearbeitung erfolgt mit der Zielstellung:

  • rechtzeitiges Erkennen der wahren Motive, Pläne und Absichten
    der kirchlichen Umweltschutzbewegung in Rostock,

  • vorbeugende Verhinderung von Aktionen, die sich gegen die staatliche
    Interessen richten könnten und Verhinderung des Eindringens negativer
    Kräfte in den staatlichen Umweltschutz

  • Aufklärung der Mitglieder der kirchlichen Umweltschutzbewegung
    sowie Herausarbeitung ihrer Motive für diese Mitarbeit.

Im Ergebnis der bisherigen operativen Bearbeitung der OPK "Baum"
konnten entsprechend der Zielsetzung folgende Beweise und Informationen
erarbeitet werden:

Bei den B. handelt es sich um den Organisator einer staatlich unabhängigen
Umweltschutzbewegung aus dem Bereich der Ev. Lutherischen
Landeskirche Mecklenburg (MLK) in Rostock. Durch B. werden Baumpflanz-
und Pflegeaktionen, verbunden mit seminaristischen Veranstaltungen
zu Fragen des Umweltschutzes, vorbereitet und geleitet.
Bei überregionalen Treffen kirchlicher Umweltgruppen, wie z. B. im
März 1984 im kirchlichen Forschungsheim in Wittenberg, trat B.
als Vertreter des "Rostocker Umweltschutzkreises" auf.


2

Der "Rostocker Umweltschutzkreis" setzt sich aus klerikal-pazifistischen
und anderen feindlich-negativen Kräften zusammen. Bisher konnten
folgende aktive Mitglieder identifiziert werden:

Ccccccccc, Ulrike
20 07 63 5 0084 8 in Rostock
Studentin
Rostock, A.- Bebel- Str. 5
XXXXXXXXXXXXXXXXX

Ccccccc, Dagmar
05 04 63 5 0082 9 in Rostock
Pflegerin, Feierabend und Pflegeheim Rostock
Rostock, O- Grotewohl- Ring 7
XXXXXXXXXXXXXXXX

Ccccccccc, Maj
14 08 68 0083 4 in Rostock
Schülerin 41. POS
Rostock, Liskowstr. 28
XXXXXXXXXXXXXXXX

Ccccccccc, Heiko
07 07 64 4 0081 1 in Rostock
Betonfacharbeiter, WBK Rostock
Rostock, K.- Marx- Str. 94
XXXXXXXXXXXXXXXXX

Ccccccccc, Annelie
27 02 62 5 0085 1 in Rostock
Mitarbeiterin, Kulturhistorisches Museum Rostock
Rostock, Laurembergstr. 37
XXXXXXXXXXXXXXXXX

Ccccccccc, Uwe
19 11 62 4 0134 0 in Stralsund
FA für BMSR- Technik
Rostock, Platz der Freundschaft 1
XXXXXXXXXXXXXXXXX

Eine feste Struktur im "Rostocker Umweltschutzkreis", insbesondere
vermutliche Inspiratoren und Hintermänner, sind nicht erkennbar.
Durch eine in der Vergangenheit zu verzeichnende Fluktuation der
Mitglieder ist es bisher noch nicht zur Herausbildung einer konti-
nuierlichen Arbeitsweise gekommen. Nach anfänglichen Vorstellungen
über die Durchführung von monatlichen Aktivitäten beschränken sich
die Handlungen des "Rostocker Umweltschutzkreises" auf unregelmäßige,
in größeren Zeitabständen stattfindende Baumpflanzaktionen
in Rostock Lichtenhagen und im Naturschutzgebiet Hüttelmoor. Von
1982 bis Oktober 1984 wurden bisher 5 Baumpflanzaktionen
durchgeführt.
An diesen Baumpflanz- und Pflegeaktionen nahmen zwischen
50 und 70 Personen, vorrangig aus den "Jungen Gemeinden"


3

von Rostock und aus anderen Bezirken der DDR teil. Zur Erhöhung
der Öffentlichkeits- und Massenwirksamkeit wurden Möglichkeiten
der Tageszeitung "Der Demokrat" und der "Mecklenburgischen Kirchen-
zeitung" genutzt. Des weiteren wird bei Friedensgottesdiensten
und differenziert im Rahmen der Arbeit der "Jungen Gemeinde" sowie
bei überregionalen Treffen zur aktiven Teilnahme an Baum-
pflanzaktionen aufgerufen

Die letze Baumpflanz und Pflegeaktion unter Leitung von B.
fand in der Zeit vom 19. 10. 1984 bis 21. 10. 1984 in Rostock
statt. An dieser Aktion nahmen ca. 70 Jugendliche aus verschiedenen
Bezirken der DDR teil. Im Zusammenhang mit der Baumpflanz-
und Pflegeaktion trat als Referent zu Umweltschutzfragen Dr. PLANER-
Friedrich vom Bund der Evangelischen Kirchen der DDR (BEK) am
19. 10. 1984 in der Andreaskirche auf. Dr. PLANER-FRIEDRICH soll
sein auf der Synode des BEK (September 1984 in Greifswald) gehaltenes
Referat vorgetragen haben. Eine Diskussion wurde nicht durch-
geführt.

In Vorbereitung dieser Aktion wurde erstmals der Versuch unternommen,
Mitglieder der Gesellschaft für Natur und Umwelt beim Kulturbund der
DDR in Rostock (GNU) für eine Mitarbeit zu gewinnen. Durch eine weib-
liche Mitarbeiterin des Jugendaktivs der GNU, vermutlich handelt es
sich dabei um

Ccccccccc, Gertraude
27 05 61 5 0088 6 in Sanitz
Forschungsstudentin, WPU/Sektion Biologie
Rostock, W.- Pieck- Ring 13/15
XXXXXXXXXXXXXXXXX

wurden Programme an die Mitarbeiter der GNU verteilt. Zur K. ist
bekannt, daß sie aktives Mitglied der ESG Rostock ist und sich
vorrangig mit Umweltproblemen beschäftigt.

Die bisher durchgeführten Baumpflanz und Pflegeaktionen sowie
seminaristische Veranstaltungen zu Umweltschutzfragen beinhalte-
ten keine Angriffe gegen die staatliche Ordnung und Sicherheit
der DDR.
Inoffiziell wurde durch die Abt. XX/4 der BV Rostock erarbeitet,
daß sich B. von oppositionellen "Friedenskreisen" der MLK distan-
ziert. "Seine ideologische Basis ist der biblische Schöpfungsbe-
richt . Die Schöpfung, die bedroht ist, will der 'Rostocker
Umweltschutzkreis unter seiner Leitung erhalten helfen." Nach eigenen
Aussagen lehnt B. bestimmte Aktionen der Berliner und Rostocker
ESG sowie von Heiko LIETZ ab. B. spricht sich positiv über die Zu-
sammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen (VEB Gartengestaltung
Rostock) aus.


4

Durch feindlich negative Kräfte aus anderen "Umweltschutzkreisen"
der DDR wird die inkonsequente Haltung des B. gegenüber staatlichen
Organen und Einrichtungen kritisiert. Nach ihren Auffassungen muß
der "Rostocker Umweltschutzkreis" fordernder gegenüber staatlichen
Institutionen auftreten und die Veranstaltungen zu Umweltproblemen
offener gestalten, so daß nicht nur angemeldete Personen und damit
ein zahlenmäßig begrenzter Personenkreis an Baumpflanzaktionen teil-
nehmen können.

Durch die Kirchenleitung der MLK werden die Aktivitäten des
"Rostocker Umweltschutzkreises" toleriert und differenziert, bei
bestimmten Problemen, die das Verhältnis Staat-Kirche belasten
können, abgedeckt. So entzog die Kirchenleitung der MLK dem B.
u. a. die Leitung für die am 5. 5. 1984 geplante Baumpflanzaktion,
die über 24 Stunden andauern sollte. Die Kirchenleitung untersagte
die Baumpflanzaktion und bewilligte nur einen Gottesdienst in der
Kirche Lichtenhagen/Dorf. Die Leitung des Gottesdienstes wurde
der Pastorin KRUMMACHER übertragen.

Im Rahmen der operativen Bearbeitung des OV "Kanzel" (KD Rostock)
wurde bekannt, daß durch feindlich- negative Kräfte der Arbeitsgruppe
"Frieden" der MLK Pläne und Absichten bestehen, die Probleme
des Umweltschutzes in ihre antisozialistischen Aktivitäten einzu-
beziehen bzw. unabhängige Umweltschutzgruppen aufzubauen. "Kanzel"
orientiert in diesem Zusammenhang darauf, die Umweltschutzgruppen
in der "Friedensarbeit" zu vereinnahmen.
Die Versuche dieser feindlich negativen Kräfte sowie die auf der
Tagung von Vertretern kirchlicher Umweltgruppen der DDR im Bezirk
Halle verfolgten Zielstellung, im DDR-Maßstab eine kirchliche
Umweltschutzbewegung zu schaffen, lassen eine Zunahme derartiger
Aktivitäten im Jahr 1985 erwarten.


Politsch-operative und rechtliche Wertung

Bei dem "Rostocker Umweltschutzkreis" unter der Leitung von B.
handelt es sich bisher um einen relativ losen Zusammenschluß von
klerikal-pazifistischen und anderen feindlich-negativen Personen,
die unter Ausnutzung der Freiräume der Kirche Baumpflanz- und
Pflegeaktionen organisieren.

Eine Zusammenarbeit bzw. Integration in die Gesellschaft für
Natur und Umwelt beim Kulturbund der DDR in Rostock wir durch
diese Kräfte abgelehnt. Es sind dagegen Versuche erkennbar, die
GNU zu unterlaufen und Mitglieder, insbesondere aus dem Jugendaktiv
für eine Mitarbeit im "Rostocker Umweltschutzkreis"
zu gewinnen.


5

Operativ bedeutsam ist, daß durch feindlich-negative Kräfte der
Arbeitsgruppe "Frieden" der MLK Pläne und Absichten bestehen,
um den Rostocker Umweltschutzkreis" in die "Friedensarbeit" der
MLK zu integrieren und ihn im antisozialistischen Sinne zu miß-
brauchen. Damit sollen Voraussetzungen geschaffen werden für
einen festen Personenzusammenschluß, eine straffe Organisation
und Leitung, eine volle Arbeitsfähigkeit, eine hohe Öffentlich-
keits und Massenwirksamkeit und ein einheitliches Vorgehen der
antisozialistischen Kräfte gegen Teilbereiche der sozialistischen
Gesellschaft der DDR.

Auf Grund der bisherigen Aktivitäten des "Rostocker Umweltschutz-
kreises" sowie der ausgeübten Schutzfunktion durch die Kirchen-
leitung der MLK eingeschätzt, daß B. zwar für die Öffent-
lichkeitsarbeit verantwortlich ist, hinter ihm jedoch andere
feindlich-negative Kräfte als Inspiratoren und Organisatoren wirk-
sam sind. Zu diesem Personenkreis liegen noch keine konkreten
Erkenntnisse vor.

Es wird vorgeschlagen, die weitere operative Bearbeitung der
OPK "Baum" mit folgender Zielstellung fortzusetzen:

  • Einleitung von gezielten Zersetzungsmaßnahmen in Zusammenarbeit
    mit der Abt. XX der BV Rostock zur Verhinderung der Herausbildung
    eines festen Zusammenschlusses antisozialistischer Kräfte
    und zur Eindämmung und Beseitigung der feindlich-negativen
    Wirksamkeit der "Rostocker Umweltschutzkreises",

  • vorbeugende Verhinderung des Eindringens antisozialistischer
    Kräfte in die Gesellschaft für Natur und Umwelt beim Kultur-
    bund der DDR in Rostock,

  • Weiterführung der Aufklärung des Persönlichkeitsbildes des
    B. und Erarbeitung von Ansatzpunkten für eine inoffizielle
    Nutzung.

Referatsleiter

Unterschrift
                                      Unterschrift
Dorow                                            Dietrich
Major                                            Oberleutnant


Leiter der Kreisdienststelle

i.V. Unterschrift
Becker
Oberstleutnant