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Mitteilung der Stasi Luckenwalde nach Potsdam

Bezirksverwaltung für
Staatssicherheit Potsdam
Kreisdienststelle Luckenwalde
Leiter
Luckenwalde, 19. 6. 1981
do-wi                /81

 

 

Bezirksverwaltung für
Staatssicherheit Potsdam
Abteilung XX/4

P o t s d a m

Durch unsere DE konnte inoffiziell erarbeitet werden, daß der

B o h m a n n, Christoph
04. 08. 1961 Luckenwalde
1710 Luckenwalde, Brandenburger Str. 36
Facharbeiter für Holztechnik
VEB Märk. Möbelwerke Trebbin

stark kirchlich gebunden ist und ab März 1981 Aktivitäten in der
evangelischen Kirche ( Junge Gemeinde) entwickelt. Die Ursachen
liegen darin begründet, daß es seit längerer Zeit in der evange-
lischen Kirche zwei "Junge Gemeinden" in Luckenwalde gibt, die sich
einmal aus älteren und anderseits aus jüngeren Jugendlichen
zusammensetzten. Vorstellungen beide
"Junge Gemeinden" zusammen-
zuschließen, stießen auf die Ablehnung bei den älteren Jugendlichen.
In dieser Situation schrieb der B. an ca. 25 Jugendliche, um sie für
eine Mitarbeit in der "Junge Gemeinde" zu gewinnen. Bei den ange-
schriebenen Jugendlichen soll es sich um ehemalige Mitschüler des B.
und um ehemalige Angehörige der "Junge Gemeinde" handeln. Ca. 7
Jugendliche beantworteten dieses Schreiben. Der Inhalt dieses
Briefes lautete:

"Ich möchte Dich wieder zur nächsten Jugendstunde unserer
"Junge Gemeinde" einladen. Sie findet am 1.4.1981 um 20.00 Uhr
im Gemeindehaus Petrikirchstr. statt. Das Thema dieser Stunde
ist: Hat die Kirche eine Zukunft? Ich würde mich freuen, wenn
Du auch kommen könntest.
Beinahe hätte ich es vergessen. Am 24. März 1980 wurde der
Erzbischoff Oscar Romero ermordet. Dieser Tag soll uns
Christen zur Solidarität mit dem Volk in El Salvador rufen. Der
ökumenische Jugenddienst hat einen Gottesdienst vorgeschlagen
und dazu viel Material zusammengestellt. Nachrichten über Gewalt,
Terror und Unterdrückung in diesem Land hören wir jeden Tag.
Aber ist es nicht so; Leid, was in der Ferne geschieht, geht
einem selten unter die Haut. Deshalb wollen wir in einem Gottes-
dienst an das Volk in El Salvador auch in der Freibitte denken"

Bohmann trat bei der EBÜ II/80 als Wehrdienstverweigerer mit
der Waffe auf. Er ist bereit, als Bausoldat zur NVA zu gehen. Das Motiv
der Ablehnung ist sein christlicher
evangelischer Glaube. Er bezog
sich auf die Anordnung der DDR von seiten des Nationalen Ver-
teidigungsrates vom 7.9.1964. Einen Auszug führte er mit sich.


2

Es war ein Ormigabzug, den er 1979 bei einem christlichen
Jugendtreffen in Sperenberg, Krs. Zossen, erhalten haben will.
Der Ausschnitt trug die Überschrift: "Interne kirchliche Infor-
mation".

Bekannt wurde weiter, daß Bohmann auf seine Einladung zur
"Junge Gemeinde" Antwort von einem

C c c c c c c c, Dietmar
16. 11. 1958 in Luckenwalde
1710 Luckenwalde, Berkenbrücker Chaussee 39

bekam. F. wurde 1978 als Wehrdienstverweigerer mit Waffe bekannt.
zur Zeit ist er Theologiestudent.

Seitens unserer DE ist vorgesehen, den Personenkreis im "Wer
ist wer"-Prozess aufzuklären und die vorhandenen Ausgangsinfor-
mationen zu verdichten:

Wir bitten um Kenntnisnahme.

Unterschrift
Jeserigk
Major